Überspringen zu Hauptinhalt

Tachographenpflicht ab 2,5 Tonnen: Unser erstes Fazit aus der Praxis

Seit dem 1. Juli 2026 gilt die Tachographenpflicht auch für leichte Nutzfahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 2,5 Tonnen, wenn sie im gewerblichen grenzüberschreitenden Güterverkehr eingesetzt werden.

Neu sind vor allem die technischen und digitalen Anforderungen: Die betroffenen Fahrzeuge müssen mit einem digitalen Tachographen der Generation 2 ausgestattet sein, Fahrer benötigen eine Fahrerkarte und die aufgezeichneten Daten müssen ordnungsgemäß ausgewertet und verwaltet werden.

Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben war selbstverständlich bereits vorher Bestandteil unserer Transportplanung. Durch die neue Tachographenpflicht steigt nun jedoch der technische, administrative und organisatorische Aufwand.

Doch was bedeutet das konkret für internationale Direkt- und Sonderfahrten?

Nach knapp drei Wochen haben wir mit Marc, unserem Leiter der Disposition, über die ersten Erfahrungen gesprochen.

Marc, was hat sich seit dem 1. Juli in der täglichen Disposition verändert?

Vor der Annahme einer internationalen Tour müssen wir heute, zusätzlich zur generellen Frage ob für die jeweilige Strecke kurzfristig ein geeignetes Fahrzeug zur Verfügung steht, noch zusätzliche Punkte prüfen wie, ist das Fahrzeug mit einem neuen digitalen Tachographen ausgestattet und wieviel Fahrzeit hat der Fahrer auf dem Fahrzeug noch zur Verfügung?

Dadurch ist der Abstimmungsaufwand vor allem bei kurzfristigen und besonders zeitkritischen Anfragen gestiegen.

Wie hat sich Erb Transporte auf die neue Tachographenpflicht vorbereitet?

Wir haben unsere eigenen Fahrzeuge rechtzeitig nachgerüstet, Fahrerkarten beantragt und unsere Fahrer im Umgang mit den intelligenten Tachographen geschult. Zusätzlich haben wir unsere Kunden frühzeitig über die bevorstehenden Änderungen und notwendigen Anpassungen informiert.

Unsere QM-Abteilung steht seit Bekanntgabe der neuen Vorgaben in engem Austausch mit unseren angebundenen Transportunternehmern. Dabei fragen wir regelmäßig ab, welche entsprechend ausgestatteten Fahrzeuge in unserem Netzwerk verfügbar sind und wie die Nachrüstung voran geht.

Welche Auswirkungen hat die Umstellung auf zeitkritische Direktfahrten?

Zeitkritische Direktfahrten sind, auch mit einem Transporter, natürlich weiterhin möglich. Entscheidend ist jedoch, dass kurzfristig ein entsprechend ausgestattetes Fahrzeug zur Verfügung steht und die gewünschte Laufzeit unter den jeweiligen gesetzlichen Rahmenbedingungen überhaupt umgesetzt werden kann.

Jede Anfrage wird deshalb individuell geprüft. Auf kürzeren Strecken ergeben sich häufig keine wesentlichen Veränderungen. Bei längeren internationalen Transporten spielen, zusätzlich zur Frage der Fahrzeugverfügbarkeit, natürlich die Transportstrecke und die verfügbare Lenkzeit des Fahrers eine wichtige Rolle.

Hat sich die Verfügbarkeit geeigneter Fahrzeuge verändert?

Ja. Entsprechend nachgerüstete Fahrzeuge und Transportunternehmer, die sämtliche Vorgaben erfüllen, sind derzeit noch Mangelware.  Es sind derzeit, grob geschätzt, immer noch 60 -70% der Fahrzeuge der betroffenen Transporterklasse nicht verfügbar. Dadurch ist die kurzfristige Verfügbarkeit derzeit eingeschränkt, weshalb eine möglichst frühzeitige Anfrage momentan besonders wichtig ist.

Wie reagieren die Kunden auf die Veränderungen?

Die meisten Kunden zeigen Verständnis, sobald wir die Hintergründe und die Auswirkungen auf die Transportplanung erläutern.

Trotz unserer frühzeitigen Hinweise hatten einige Auftraggeber die neuen Anforderungen noch nicht vollständig in ihrer eigenen Planung berücksichtigt. Dadurch kam es vereinzelt zu Rückfragen, wenn eine gewünschte Laufzeit kurzfristig nicht wie ursprünglich vorgesehen umgesetzt werden konnte.

Eine offene und frühzeitige Kommunikation ist deshalb entscheidend.

Entstehen durch die neue Regelung zusätzliche Kosten?

Ja. Zusätzliche Kosten entstehen unter anderem durch die Nachrüstung der Fahrzeuge, die erforderliche Fahrerkarte, Schulungen, eventuell notwendige Hotelübernachtungen der Fahrer und den höheren administrativen Aufwand.

Weitere Kosten können entstehen, wenn eine besonders zeitkritische Sendung innerhalb des gewünschten Zeitfensters nicht per Straße durchgeführt werden kann. In solchen Fällen prüfen wir gemeinsam mit dem Kunden alternative Lösungen wie beispielsweise Luftfracht. Diese ermöglicht eine schnellere Beförderung, ist allerdings mit deutlich höheren Kosten verbunden.

Siehst du neben den Herausforderungen auch Vorteile?

Die digitale Dokumentation sorgt für mehr Wettbewerbsgerechtigkeit.

Zudem tragen die Vorgaben zu mehr Verkehrssicherheit und besseren Arbeitsbedingungen für die Fahrer bei.

Auf der anderen Seite steigt der Aufwand für die Disposition. Fahrzeuge, Fahrer und Laufzeiten müssen noch genauer geprüft und miteinander abgestimmt werden.

Wie fällt dein persönliches Fazit nach den ersten Wochen aus?

Die Umstellung bedeutet zunächst einen höheren organisatorischen und administrativen Aufwand. Wir haben uns jedoch frühzeitig vorbereitet und unsere internen Abläufe entsprechend angepasst.

Die größte Herausforderung ist aktuell die kurzfristige Verfügbarkeit nachgerüsteter Fahrzeuge. Mit sorgfältiger Planung, verlässlichen Transportunternehmern und einer offenen Kommunikation mit unseren Kunden lassen sich die neuen Anforderungen jedoch gut in den Arbeitsalltag integrieren.

Internationale Direkt- und Sonderfahrten bleiben weiterhin möglich. Gerade bei längeren und besonders zeitkritischen Transporten sollten die Rahmenbedingungen jedoch möglichst früh geprüft werden.

Marc, Danke für Deine Zeit und die ausführliche Erläuterung!

Sie haben eine zeitkritische internationale Sendung? Sprechen Sie uns frühzeitig an. Gemeinsam prüfen wir, welche Transportlösung für Ihre Anforderungen geeignet ist.

An den Anfang scrollen